Monat: August 2026

Der Unvollendete 1

Der Unvollendete 1

Schaut mal genau hin, das Top ist innen komplett mit der Hand genäht – unglaublich! Nicht vor mir, aber das Projekt ist bei mir liegen geblieben, viel zu lange, aber ich dachte, ich hätte alle Zeit der Welt. Und dann funkt das Leben dazwischen, andere Aufgaben und Projekte sind – vermeindlich – wichtiger und ich habe dieses Sandwich gut verstaut. Erst im Kleiderschrank, den habe ich im letzten Jahr komplett ausgeräumt und den Quilt in die Werkstatt gebracht, wieder gut weggelegt. Die Werkstatt musste ich in diesem Jahr ausräumen und habe ihn anschließend gut sichtbar liegen gelassen.

Wie ich zu dem Projekt komme? Das ist eine längere und leider auch traurige Geschichte. Zu Beginn meiner „Internet-Zeit“ gab es eine Gruppe gleichgesinnter Frauen, die hier im Norden Patchwork machten. Da lernte ich die Frau kennen, die dieses Projekt begonnen hat und den fertigen Quilt dem Kinderhospiz Sternenbrücke in HH-Rissen spenden wollte, damit er dort am Tag der offenen Tür zu Gunsten des Hospizes versteigert werden sollte. Sie hat das Top genäht, mit der Hand. Die Quadrate in den 9-Patches haben eine Kantenlänge von 2 cm, das Motiv insgesamt misst 98×160 cm. Sie hat das Sandwich geheftet und begonnen zu quilten, natürlich auch mit der Hand. Und dann musste sie leider feststellen, dass sie das Projekt aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht würde fertigstellen können und suchte über die Gruppe jemanden, der es für sie beenden und der Sternenbrücke bringen würde.

Das habe ich gerne angeboten und so brachte sie mir die angefangene Arbeit mit Quiltschablonen und -Garn. Ehrfürchtig stand ich davor, die viele Arbeit schon beim Nähen und quilten jetzt durch alle 9-Patches in geraden Linien und zusätzlich Blüten in die weißen Qudrate – worauf hatte ich mich da eingelassen. Aber getreu dem Motto viele Hände – schnelles Ende bot mir eine Freundin an, mit mir gemeinsam zu quilten und so verbrachten wir einige schöne Stunden beim Quatschen und Sticheln. Leider wurden wir nicht fertig und ich sagte leichtsinnig zu, den Rest allein zu schaffen. Diesen Zwischenstand habe ich der Beginnerin auch noch mitgeteilt – und dann kam die große Pause. Denn sie hatte uns freigestellt, dass wir den Quilt ja auch behalten könnten, wir hätten ja jetzt auch schon so viel Zeit investiert.

Tja und dann habe ich ihn weggelegt, für eine wirklich lange Zeit, wir reden über Jahre. Aber irgendwann kam die Phase des UFO-Aufräumens und ich habe ihn vorgeholt. Mit meinen Quiltfreundinnen vorort haben wir angefangen zu überlegen, wie ich ihn beenden könnte. Denn Stoff für ein Binding war nicht dabei und meine Reste hätten nicht zu den vernähten alten Stoffen gepasst. Wir kamen zu dem Schluss, dass es wohl am sinnvollsten wäre, den Rückseitenstoff nach vorne umzuschlagen und damit die Einfassung zu gestalten. Und in alle Flächen Blüten zu quilten wäre zu aufwendig, also nur in der Mitte. Ok, der Plan stand, erstmal fertig quilten – keine Lust, keine Zeit, Ausflüchte halt. Doch dann habe ich mich aufgerappelt, wollte der Beginnerin mal ein Lebenszeichen geben – und musste feststellen, dass sie im Jahr zuvor gestorben war.

Eigentlich war das der Zeitpunkt, das Projekt ad acta zu legen. Aber ich konnte es nicht, die viele Arbeit muss gewertschätzt werden und ich will auf keinen Fall diejenige sein, die ihn in die Tonne tut. Also lag er in der Werkstatt, inzwischen gut sichtbar. Aber die Bauchschmerzen blieben, weil ich inzwischen festgestellt hatte, dass auf der Rückseite Nessel verarbeitet ist. Und den will ich bestimmt nicht auf der Vorderseite oder im Rand haben. Also anders rum, den Stoff von der Vorderseite nach hinten? Wäre besser, aber optisch hat der Quilt immer noch kein Ende, das Binding, das ihn zusammen hält, fehlt einfach. Also sollte ich einen Unistoff nehmen und ein Binding nähen. Meine Stoffe passen aber immer noch nicht. Und wen soll ich nach der langen Zeit noch mal wieder belatschern? Aber halt, da ist doch Tüte mit den geschenkten Stoffen, die noch nicht verarbeitet sind. Waren nicht so ganz mein Geschmack, ob davon einer passen könnte? Ja! Da gibt es einen in einem verwaschenen Blau mit hellen Sprenkeln, wenn ich den mit hellen Resten kombiniere, müsste es für ein Binding reichen.

Mit neuen Schwung habe ich das Gitter fertig gequiltet, widme mich jetzt den Blüten und hoffe sehr, das mich „Ende gut – alles gut“ nicht zu laut ruft.

Nun gibt es leider ein neues Problem, denn nach diesen vielen Jahren hat der Quilt den einen oder anderen Fleck bekommen und sicher auch viel Staub angesetzt. Eigentlich muss er gewaschen werden, aber ich traue mich nicht. Ob die Reinigung meines Vertrauens sich traut? Aber noch ist er ja nicht fertig.

Raglan-Shirt in Lachs 1

Raglan-Shirt in Lachs 1

Als ich eine Freundin in unsere Bücherei begleitete, fiel mein Blick auf das Regal mit den Neuzugängen. Ein Strickbuch, das musste ich mir anschauen und war so begeistert, dass ich es mir direkt im Buchladen bestellte.

AUS 1 MACH VIELE ist der Titel, der ziemlich gut beschreibt, was Silvia Jäger da für uns gemacht hat. Sie hat eine Basisanleitung für das Pulloverstricken in der Technik RVO – Raglan Von Oben erstellt und liefert das Handwerkszeug für die Anpassung auf die eigene Figur mit. Darüber hinaus hat sie noch einige fertige Modelle entworfen, bei denen genau erklärt ist, wie sie zu den Angaben gekommen ist. Vielen Dank! So etwas fehlte mir und ich freue mich sehr, es nun gefunden zu haben.

Das Garn habe ich wieder bei soul-wool.com bestellt, „gossypium Cotton“ aus 100% Baumwolle von erika knight, 10 Knäule – ob das reicht? Ich starte mit dem Basis-Shirt und nachdem die Maschenprobe nahezu perfekt passt, auch ohne Umrechnungen einfach so, wie es vorgegeben ist. Okay, ein bischen unübersichtlich ist es schon, weil erstens alle Angaben für 4 Konfektionsgrößen da sind und man aufpassen muss, die richtigen zu erwischen. Und zweitens, weil vor der Ausführung der einzelnen Schritte jeweils ein Absatz Anpassung und Berechnung eingefügt ist, wieder für alle Größen. Aber ich wollte es ja verstehen und dafür sind diese Absätze Gold wert. Und deswegen habe ich einfach entschieden, dass ich mir für mich einen Zettel mit meinen Angaben für dieses Projekt schreibe – auch kein Problem.

Los geht es mit der Ausschnittblende am Hals – wie immer bei Raglan von Oben. Aber gleich danach gibt es etwas für mich Neues. Zwischen Blende und Raglanpasse wird ein Halbmond eingefügt. Der sorgt dafür, dass das Rückenteil etwas höher wird und dadurch besser sitzt. Und ich sehe immer, wo vorne ist – grins. Im Beitragsbild oben ist der Anfang meines neuen Shirts zu sehen, deutlich ist das verlängerte Rückenteil zu erkennen.

Inzwischen ist die Passe beendet, bei fast 400 Maschen in den letzten Runden hatte ich Befürchtungen, dass sie nie enden würde. Nach der Passe werden die Maschen für die Ärmel auf jeweils einer Rundnadel, oder nur dem Seil, stillgelegt und der Rumpf weiter in Runden gestrickt. Und nun war ich neugierig. Wie lange brauche ich für 1 Runde, ca. 230 Maschen glatt rechts? 8,5 Minuten. Was ich mit dem Wissen jetzt mache? Weiß ich nicht, könnte ja mal ausrechnen, wie lange ich an diesem Pulli stricke. Ne, ich stricke lieber weiter.

Spannend ist ja noch die Frage, ob das Garn reicht. Also habe ich mich sehr beeilt, das erste Knäul am Rumpf zu Ende zu stricken, damit ich den restlichen Verbrauch schätzen kann. Also mit einem Knäul schaffe ich 8 cm Länge. 31 cm Länge soll ich stricken, also brauche ich noch 3, bleiben 2 für die beiden Ärmel – reicht!

Dann mache ich beruhigt weiter….

Ende gut – alles gut 13

Ende gut – alles gut 13

Es ist Zeit, die Sommerpause hier zu beenden und es gibt auch einiges zu berichten.

Dieser großes Quilt musste eine Pause einlegen und harrte im Schrank auf Zeit und windstilles Wetter. Plötzlich war beides da und ich konnte ihn mit Hilfe meines Mannes kleben. Bei dieser Größe wirklich ein richtiges Stück Arbeit. Der Sprühkleber wird nämlich immer nur auf das Vlies aufgesprüht und dieses dann erst auf das Top und anschließend auf die Rückseite geklebt und das geht nur schrittweise. Es bedarf also einiger Zeit und Geduld. Aber wir haben es geschafft.

Eine wirklich kreative Quiltidee ist mir nicht gekommen. Deswegen werde ich im ersten Schritt die senkrechten und waagerechten Streifen mit der Nähmaschine knappkantig absteppen und die Lagen damit verbinden. Anschließend werde ich mit der Hand innerhalb der Blöcke einige Konturen quilten.

Und so sieht es aus, wenn man einen großen Quilt mit einer relativ kleinen Haushaltsmaschine bearbeitet.

Es ist unglaublich viel Material zu bewegen. Und wenn man es, wie vorgeschlagen, innerhalb der Maschine zu einer Rolle formt, ist die auch noch steif – hilfe! Aber ich bin Sieger geworden und dieser Arbeitsschritt ist nach dem Vernähen unglaublich vieler Fäden abgeschlossen. Nun wartet noch das Handquilten – aber da gibt es zweites Projekt, das diesem gerade im Weg steht, dazu schreibe ich in einem neuen Beitrag mehr.